Rezension zu „Grundlagenfälle zum BGB für Fortgeschrittene“ – Dr. Dr. Dr. h.c. mult. Michael Martinek, M. C. J. (NYU) und Dr. Sebastian Omlor (3. Auflage 2017)

 

Helena Frädrich*

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A. Allgemeines

Übung macht den Meister… Das gilt (insbesondere) im Jurastudium. Deswegen hilft regelmäßig bloße Theorie allein nicht, um Klausuren während dem Studium und später im Examen zu meistern. Im Staatsexamen ist die Hälfte der insgesamt sechs schriftlichen Prüfungen dem Zivilrecht gewidmet. Um mit dieser Situation zurecht zu kommen, Gelerntes zu vertiefen und anwenden zu lernen bietet sich mitunter die Übung mit Hilfe von Fallbüchern an.

Das Lehrbuch „Grundlagenfälle zum BGB für Fortgeschrittene, – Die Wilhelm-Busch-Fälle – 15 Fälle mit Lösungen zum Bürgerlichen Vermögensrecht“, zielt, wie bereits der Titel verrät, auf Jurastudierende der mittleren bis höheren Semester sowie Examenskandidaten ab. Zuletzt erschienen ist das Fallbuch, Band 144/2 der JuS Schriftenreihe 2017 in der 3. Auflage, veröffentlicht vom C.H. Beck Verlag, München. Die beiden Autoren – Dr. Dr. Dr. h.c. mult. Michael Martinek, M. C. J. (NYU) Professor an der Universität des Saarlands, Honorarprofessor in Johannesburg und Dr. Sebastian Omlor, LL.M. (NYU), LL.M. Eur. Professor an der Philipps-Universität Marburg – haben neben diesem Titel unter anderem den Vorgängerband 144/2 der JuS Schriftenreihe „Grundlagenfälle BGB für Anfänger“ gemeinsam verfasst und arbeiten derzeit an Band 144/3 „Grundlagenfälle zum BGB für Examenskandidaten“, welcher für 2018 angekündigt ist und auf die beiden ersten Fallsammlungen aufbauen bzw. diese ergänzen soll.

Sicherlich am meisten hebt sich das, äußerlich in schlichtem rot gehaltene Buch von Martinek und Omlor durch den Einsatz von Zeichnungen Wilhelm Buschs in schwarz-weiß, von anderen angebotenen Fallbüchern ab. Die Zeichnungen sollen dabei helfen, sich den Teils schwierigen Inhalt durch die Verknüpfung mit Bildern besser einzuprägen und bieten eine angenehme Abwechslung zu den sonst so kahlen Lehrbüchern an. Daneben entspringen auch Namen und Charaktere den Geschichten von Wilhelm Busch, sodass bei dem ein oder anderen Leser Erinnerungen an die entsprechenden Erzählungen geweckt werden.

 

B. Aufbau

Die 15 Fälle sind überwiegend auf eine Bearbeitungszeit von drei bis vier Stunden ausgerichtet. Die letzten drei Klausuren haben jedoch, mit einer fünfstündigen Bearbeitungsdauer, den Umfang einer Examensklausur. Die „Grundlagenfälle“ eignen sich daher explizit nicht nur für die Vorbereitung auf die große Übung im Zivilrecht, sondern ebenso für die Examensvorbereitung.

Das Vorwort liefert dem Bearbeiter kurz und prägnant, auf weniger als zwei Seiten, hilfreiche Erläuterungen zur Arbeit mit dem Buch, allgemeine Tipps zur erfolgreichen Klausurbewältigung und schildert die Intention der Autoren. Es lohnt sich somit durchaus ein paar Minuten für die Lektüre hierauf zu verwenden.

Zu den einzelnen Fällen gibt das Inhaltsverzeichnis einen kleinen Überblick bezüglich der behandelten Themen bzw. Schwerpunkte und bietet somit eine gute Orientierung, insbesondere für ein gezieltes Bearbeiten des Lernstoffs. Wer sich indes lieber von dem Inhalt der Fälle überraschen lassen möchte, dem sei geraten das Inhaltsverzeichnis zu überblättern und die gleichlautende Einleitung in Kursiv, jeweils dem Sachverhalt vorgeschaltet, mit einem Zettel abzudecken.

Die Fälle, beginnend mit dem Sachverhalt („A.“), werden zunächst im Rahmen „Gutachterliche[r] Überlegungen“ („B.“) besprochenen und einzelne Themen(-Schwerpunkte) abstrakt dargestellt. So wird beispielsweise zum Einstieg bei „Fall 1: Mausbäuchls tödlicher Kronleuchter“, wohl wissend, dass es sich hierbei um „Anfängerstoff“ handelt, das Problem der Bildung von Analogien abstrakt beschrieben (S. 3ff.) und die konkreten Erwartungen und Intentionen des Klausurerstellers an den Prüfling hinweisend geschildert. Das Verständnis der Psychologie des Erstellers erleichtert die Bearbeitung mit der richtigen Schwerpunktsetzung und ist somit essentiell.

Unter „C.“ ist stets eine kurze Gliederung des Falls zu finden, im Schnitt circa ein halbe Seite einnehmend, gefolgt von einer ausführlichen gutachterlichen Lösung („D.“), wie sie in einer Klausur zu leisten ist. Und – das „Beste“ kommt zum Schluss – jede Fallbesprechung schließt mit einem Lerntest („E.“). Die Wiederholungsfragen motivieren und bieten die Möglichkeit zur eigenständigen Überprüfung, ob das Gelernte verstanden und behalten wurde. Bestenfalls kann man den Fall mit einem kleinen Erfolgserlebnis – alle Fragen richtig gelöst zu haben – beenden. Außerdem helfen die kurzen Fragen den Stoff zu verfestigen und sind auch dazu geeignet, ohne zwingend den kompletten Fall (nochmals) zu bearbeiten, den eigenen Wissensstand zu überprüfen.

C. Kritik

Leider ist auch dieses Lehrbuch – wie die meisten – nicht ganz ohne Makel. Beispielsweise fehlt wohl auf S. 20 im Rahmen der gutachterlichen Lösung und in Anbetracht der Stimmigkeit, unter dem Gliederungspunkt „I.“ der Punkt „3. Ergebnis zu I“, wie es dort im Folgenden unter „II.“ einen entsprechenden Gliederungspunkt „3. Ergebnis zu II“ gibt. Außerdem finden sich kleinere Zahlendreher bei Normenangaben, vgl. etwa S. 17, 21, die offensichtlich sind und deshalb schnell erkannt werden können. Die Fehler halten sich im erträglichen Rahmen und sind im Vergleich zu anderen Lehrmaterialien nicht besonders beachtenswert.

Ein §§-Verzeichnis sucht man vergeblich. Dies ist zwar kein „Muss“, würde aber ein gezielteres Bearbeiten und Nachschlagen optimieren.

D. Konklusion

Insgesamt geben sich die Verfasser mit der Gestaltung inhaltlich wie äußerlich – man beachte u.a. die Zeichnungen des renommierten Dichters Wilhelm Buschs – große Mühe und bieten ein gelungenes Gesamtwerk auf rund 200 Seiten. Besonders positiv sind dabei die Lerntests am Ende der Falllösungen, die präzise und nachvollziehbare Darstellung von Problemen sowie die, teils abstrakten, inhaltlichen wie auch – mit den Worten der Autoren – „klausurpsychologischen“ Anmerkungen.

Wer also noch etwas mehr Input, neben der typischen Kurzgliederung und der Lösung im Gutachtenstil, möchte und kleine unmittelbare Erfolgserlebnisse (Lerntests) schätzt, ist mit dem Titel „Grundlagenfälle zum BGB für Fortgeschrittene“ von Martinek/Omlor gut beraten. Die Fallsammlung ist für 23,90 € im Handel erhältlich.

* Die Autorin studiert Rechtswissenschaften an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und befindet sich derzeit in der Examensvorbereitung.