Artikel downloaden

Das Colloquium Politicum

von stud. jur. Constanze van Gemmeren, Universität Freiburg

 

 

„Ziel ist das gebildete Individuum und der kritische Bürger“, so beschreibt Karl Hillebrand, wissenschaftlicherMitarbeiter des Studium Generale-Teams,  das hehre Ziele des Colloquium Politicum.

Gegründet wurde die Vortragsreihe nach dem zweiten Weltkrieg, und die Gründer schrieben sich eben diesen Leitsatz auf die Fahnen. Der zukünftigen Elite (1954 machten nur 3 % der Schüler Abitur) sollte der Blick über den Tellerrand ihres Fachs ermöglicht werden. Die Studenten sollten kritische, selbstständige und mündige Bürgern werden, die Dinge hinterfragten. Dies war nach den Erfahrungen der Nazizeit, wo die Verführbarkeit der Akademikerschaft deutlich wurde, ein besonderes Anliegen. Die philosophischen Grundlagen des eigenen Faches kennenzulernen und über die Grenzen des eigenen Fachgebiets hinaus mit anderen Disziplinen in Dialog zu treten, dazu möchte das Colloquium Politicum anregen.

Heute steht das Colloquium Politicum nicht nur den Studierenden der Universität Freiburg offen. Vielmehr soll es ein Fenster der Universität nach draußen sein, die Angebote richten sich an alle Freiburgerinnen und Freiburger. Darin liegt auch für die Dozenten ein besonderer Reiz, müssen sie doch ihre Forschungsergebnisse einem breiten Publikum präsentieren.

Bei der Programmplanung muss schon früh Weitsicht unter Beweis gestellt werden. Gilt es doch, möglichst „Koryphäen“ ihres Fachs aus der ganzen Welt nach Freiburg zu locken, die ihre neuesten Forschungsergebnisse erklären und interpretieren.  Bei der Gestaltung des Programms liegt ein Schwerpunkt auf europäischen Themen, schließlich sei der Oberrhein eine europäische Region par excellence, sagt Hillebrand. Dieses Semester werden wieder Exkursionen in die Schweiz, die „unbekannte Nachbarin“ angeboten. In den vergangenen Jahren ging es zur Welthandelsorganisation (WTO) in Genf. Da bot sich dann auch die Gelegenheit für die Studenten, im Anschlusse an die Vorträge Kontakte herzustellen und Netzwerke zu knüpfen.

Die Besucherzahlen seien im Schnitt zufrieden stellend, gut laufe die Samstags-Uni, sagt Karl Hillebrand. Publikumsrenner in diesem Semester war die 2. Freiburger Europa-Rede vom Präsidenten des Europäischen Parlaments, Hans- Gert Pöttering. Auch die Vortragsreihen zu „60 Jahre Staat Israel“ und über „Syrien, Iran, Pakistan und der Westen“ waren gut besucht.

Wichtig ist den Machern des Colloquium Politicum aber auch die globale Perspektive. Außereuropäische Regionen, die (wirtschaftlich) eng mit Deutschland verknüpft sind, sollen den Zuhörern näher gebracht werden. Sie sollen sich darüber klar werden können, was ihr Verhalten global bedeutet. Als Beispiel nennt Hillebrand einen Vortrag im Rahmen einer Lateinamerikareihe vor zwei Jahren, der die Auswirkungen deutlich machte, die der verstärkte Gebrauch von Biosprit auf die Land (wirt) schaft Brasiliens hat. Mit der Programmzusammenstellung will das Colloquium Politicum also durchaus Politik machen. Es werden gerade auch solche Themenschwerpunkte gesetzt, die nach Ansicht der Organisatoren in der aktuellen öffentlichen Diskussion zu kurz kommen.

Eine neuere Institution des Colloquium Politicums sind die Freiburger Europa Reden. Die Idee dahinter ist es, europäische Persönlichkeiten ihre Gedanken zum „State of the European Union“ darstellen zu lassen, so steht es im Programmheft. Der erste Redner war Hans- Gert Pöttering, Präsident des Europäischen Parlaments  Um solche Dozenten gewinnen zu können, kooperiert das Colloquium Politicum-Team eng mit der Stadt und Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon.

Einen Bericht über die Europa-Rede von Hans-Gert Pöttering finden Sie im Anschluss

 

 

 
 
 
.html" />