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IndienEin Praktikum bei der Konrad Adenauer Stiftung in Neu-Delhi von stud. jur. Sylvia Allgeier, Universität Freiburg
I. RahmenbedingungenDie Konrad Adenauer Stiftung ist seit 1968 in Indien tätig. Die Außenstelle in Neu Delhi, die der Abteilung für internationale Zusammenarbeit der Konrad Adenauer Stiftung untersteht, hat heute insgesamt fünf Mitarbeiter: einen deutschen Außenstellenleiter, eine deutsche Projektassistentin, und drei weitere indische Büroangestellte. Fünf Arbeitsschwerpunkte bestimmen die Arbeit der Außenstelle: 1. soziale Veränderungen, Zivilgesellschaft, politische Parteien, Rechtstaatlichkeit; 2. wirtschaftliche Reformen, Mittelstand; 3. Bilaterale Beziehungen, Internationale Beziehungen, Sicherheitspolitik; 4. Armutsbekämpfung, ländliche Entwicklung, Panchayati Raj Institutionen; 5. Medien, Öffentlichkeitsarbeit. In diesen Bereichen organisiert die Außenstelle nicht nur Eigenmaßnahmen, sondern unterhält auch Partnerprojekte. Eigenmaßnahmen umfassen von der Außenstelle selbst organisierte Konferenzen, Dialogprogramme und Seminare in allen Bereichen, die zusammen mit Partnerorganisationen durchgeführt werden. Zu den Partnerorganisationen gehören u.a. das Institute of Peace and Conflict Studies (IPCS), die Madras Management Association (MMA) und PHD Chamber of Commerce and Industry (PHDCCI). Die Partnerorganisationen erhalten jährlich einen festen Betrag, um Projekte und Maßnahmen in „Eigenregie“ durchzuführen. Der Partner PHDCCI, mit dem die Außenstelle seit 1988 zusammenarbeitet, bietet beispielsweise für mittelständische Unternehmer das ganze Jahr über Kurzseminare an, die den neusten Anforderungen des globalisierten Marktes begegnen wollen. Sowohl Eigenmaßnahmen als auch Partnerprojekte sind Grundlage der zahlreichen Publikationen, die die Außenstelle herausgibt.
II. Inhaltliche SchwerpunkteFür die fünf Wochen meines Praktikums war mir die Erarbeitung eines Papers über den indischen Mittelstand zugewiesen worden. Nach einer kurzen Skizzierung der Inhalte des Papers zusammen mit dem Außenstellenleiter Herrn Wolff, entschloss ich mich, das Paper wie folgt zu betiteln: Globalization – Challenges and Possibilities for India’s Small and Medium Enterprises Sector. In diesem Paper wollte ich nicht nur die Schwierigkeiten des indischen Mittelstandes durch die Globalisierung beschreiben, sondern auch Möglichkeiten und Lösungsansätze für diesen herausarbeiten. Dafür arbeitete ich vor allem eng mit dem Partner PHDCCI und der Federaton of Indian Chambers of Commerce and Industry (FICCI) zusammen. In Form von Interviews, Recherche im Internet und sonstiger Literatur und Besuchen von Seminaren habe ich während der fünf Wochen Material zusammengetragen, das ich in der letzten Woche meines Praktikums in einem Paper von etwa elf Seiten zusammengefasst habe. Ich hatte das große Glück, dass während der fünf Wochen meines Aufenthaltes drei größere Seminare stattgefunden haben, von denen ich alle besuchen konnte. Das erste Seminar, Trilateral Dialogue: India, China and Germany, befasste sich insbesondere mit wirtschaftlichen, politischen und sicherheitspolitischen Aspekten der Zusammenarbeit zwischen diesen Ländern. Das zweite Seminar beleuchtete die Entwicklung des indischen Mittelstandes und das dritte Seminar beschäftigte sich mit dem - insbesondere für die armen Bevölkerungsschichten - schwierigen Zugang zur Gerichtsbarkeit. Ansonsten habe ich auch am ganz gewöhnlichen Büroalltag teilgenommen. Ich habe verschiedene Veröffentlichungen, darunter SAARC-Dialogues: India and Bangladesh, Energy Security, Korrektur gelesen oder Übersetzungsarbeit getätigt. Stets waren meine Kollegen zudem bemüht, mir in allen Tätigkeitsbereichen der Außenstelle Einblicke zu verschaffen.
III. ResümeeWas die Arbeit in der Außenstelle selbst betrifft, hat mir sehr gut gefallen, dass meine Aufgaben meist inhaltlich anspruchsvoll und sehr interessant waren. Insbesondere die Erstellung des Papers in „Eigenregie“ und die von mir dazu durchgeführten Interviews waren abwechslungsreich und haben mir viel Spaß gemacht. Etwas bedauert habe ich, dass ich eigentlich nie mit der „Basisarbeit“, sprich, mit den eigentlichen Entwicklungsprojekten, in Kontakt gekommen bin. Die Außenstelle selbst konzentriert sich bei ihrer Arbeit mehr auf den intellektuellen Austausch. Die „Basisarbeit“ wird von den indischen Partnern übernommen. Meine Kollegen waren sehr nett und hilfsbereit, und das allgemeine Arbeitsklima gut. Ich habe durch sie in den fünf Wochen viel über die Arbeit der Außenstelle, aber auch über die indische Kultur gelernt: Insbesondere bei den täglichen gemeinsamen Mittagessen wurde nicht nur indische Spezialitäten sondern viele indische Alltagsgeschichten ausgetauscht. Ich hoffe, dass ich auch weiterhin mit dem ein oder anderen ehemaligen Kollegen, zu denen auch Freundschaften entstanden sind, in Kontakt bleiben werde. Das Leben in Indien muss allerdings mit ein paar mehr Worten beschrieben werden: Am ersten Wochenende in Neu Delhi, habe ich den ersten Kulturschock meines Lebens erlebt. Ich hatte vermutet, dass Delhi wahrscheinlich nicht so anders sein könne als andere asiatische Großstädte, die ich bis dahin kannte. Ich hatte mich getäuscht. Für mich hatte Delhi anfangs nichts, was ich aus anderen asiatischen Großstädten kannte außer dem Verkehr. Delhi war auf den ersten Blick schmutziger, ärmer, lauter und voller. Die ersten zwei bis drei Tage musste ich mich geradezu überwinden, den Fuß vor meine Haustür zu setzen, nach draußen auf die Straße, wo mich der Kampf erwartete: los ging es bereits mit dem Rikschafahrer um den Fahrpreis, mit der Marktfrau um ein Kilo Bananen, mit dem jungen Inder, der sein Englisch mit mir verbessern wollte und man sich plötzlich vor einer ganzen Horde in das nächste Hotel retten musste. Anstrengend empfand ich die armen bettelnden Kinder, die vielen tollwütigen Hunde und die Staus, weil schon wieder Kühe auf der Straße rumstanden. Und dann die vielen, übervielen Menschen, die auf der Straße oftmals nicht rücksichtsloser hätten sein könne. Ein wahrer Schock! Doch in Anbetracht der zu der Zeit noch bevorstehenden fünf Wochen, zwang ich mich, diese Geschehen keine Sekunde des Tages aus dem Weg zu gehen. Damit ich mich auch nach elf Uhr abends auf die Staße trauen und wochenends gemütlich reisen konnte, machte ich mich erst einmal auf die Suche nach „Verstärkung“, die ich bei den unterschiedlichsten internationalen Abendveranstaltungen auch fand. Über indische Bekannte und Freunde versuchte ich mich der Kultur etwas zu nähern und in meiner Freizeit bemühte ich mich, mir möglichst viel anzusehen, von den indischen Spezialitäten zu probieren und zu reisen. Und langsam erschloss sich mir der indische Alltag, das Land, seine Leute und seine Kultur. Als ich in der vierten Woche mit einer indischen Freundin bei ihrer sehr traditionsbewussten Familie zum Essen eingeladen war, hatte ich endlich Frieden mit der Stadt und dem Land geschlossen: das Feilschen und das lustige Kopfwackeln begleitet von einem zarten „Tike“ waren liebgewonnene Bestandteile meines Alltags geworden. Und wie hätte es auch anders sein können: als ich an meinem letzten Abend um ein Uhr alleine in der Rikscha nach hause gefahren war, und ich dem Rikschafahrer wortlos den angemessenen Fahrpreis in die Hand drückte, freute ich mich schon auf meinen nächsten Aufenthalt in diesem verrückten Land.
IV. KontaktFür ein Praktikum bei einem der Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung kann man sich entweder bei der Abteilung für Internationale Zusammenarbeit der Konrad-Adenauer-Stiftung oder aber bei den einzelnen Auslandsbüros direkt bewerben. Allerdings sollte man sich, bevor man sich bewirbt, bei der Abteilung für Internationale Zusammenarbeit nach den genauen Bewerbungsmodalitäten erkundigen, da diese für die verschiedenen Außenstellen unterschiedlich sein können. Grundsätzlich werden aber meist ein Kurzlebenslauf und ein Motivationsschreiben verlangt werden. Außerdem sollte man sich etwa ein halbes Jahr vor dem gewünschten Praktikumsbeginn bewerben. Eine Übersicht über die Außenstellen der Konrad-Adenauer-Stiftung findet man ebenfalls auf der Homepage der Konrad-Adenauer-Stiftung.
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