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Doktoratsprogramm Biomedical Ethics and Law (PhD BmEL)

von Prof. Dr. jur. utr. Brigitte Tag und MLaw Noëmi Schöni, Universität Zürich

 

 

I. Das Doktoratprogramm im Überblick

Die Universität Zürich bietet ab dem Herbstsemester 2009 erstmals das Doktoratsprogramm „Biomedical Ethics and Law (PhD BmEL)“ an. Das PhD BmEL wird von der Rechtswissenschaftlichen und der Medizinischen Fakultät gemeinsam durchgeführt und ist in der Schweiz das erste dieser Art.

Die Gründe, die zu der Etablierung dieses Doktoratsprogramms führten, sind vielfältig:
Aus fachlicher Sicht war maßgebend, dass während der letzten Jahrzehnte die Entwicklungen in der biomedizinischen Wissenschaft immer größere interdisziplinäre Herausforderungen an die Ethik und das Recht gestellt haben. Das Klonen, die embryonale Stammzellenforschung, die Reproduktionstechnologie, aber auch die Freitoddebatte am Lebensende sind nur einige der Themen, die intensive politische, philosophische und rechtliche Diskussionen ausgelöst haben. Die Nachfrage an Expertinnen und Experten im Bereich „Biomedizinische Ethik und Recht“, die zu diesen und weiteren aktuellen Themen auf nationalem und internationalem Niveau fundiert Auskunft geben können, nimmt stetig zu. Das PhD BmEL macht sich deshalb zur Aufgabe, qualifizierten Nachwuchs zu fördern, der über die nachgefragte Expertise verfügt.

Das PhD BmEL beabsichtigt insbesondere:

• das Verständnis für die globalen Themen im Bereich „Biomedizinische Ethik und Recht“ zu vertiefen;

• die Vermittlung methodischer Fähigkeiten, um sich mit ethischen und rechtlichen Fragen der Biomedizin und des Gesundheitswesens auseinandersetzen zu können;

• die Planung und Durchführung des eigenen Forschungsprojektes unterstützend zu begleiten;

• die Zusammenarbeit mit einem Netzwerk von Expertinnen und Experten im Bereich „Biomedizinische Ethik und Recht“ zu fördern.

Zudem haben auch studienorganisatorische Gründe die Entstehung des PhD BmEL maßgebend geprägt und gefördert.  Ein Ziel die Implementierung von Bologna ist es, die internationale Anschlussfähigkeit der Absolvierenden zur fördern und ein  System vergleichbarer Abschlüsse in ganz Europa einzuführen. Zugleich soll eine gute Betreuung der Studierenden gewährleistet sein.  Das PhD soll das Anliegen der Doktoranden n, eine eigenständige Forschungsarbeit zu verfassen und sich zugleich während der Zeit der Promotion weiter zur qualifizieren und damit ein eigenes Fachprofil zu erlangen, aktiv unterstützen.
Um den Dialog der verschiedenen Disziplinen zu fördern, richtet sich as PhD BmEL an Juristinnen und Juristen, Ärztinnen und Ärzte sowie andere qualifizierte Teilnehmende, die sich für die Forschung im Bereich „Biomedizinische Ethik und Recht“ interessieren. Die Doktoranden können entweder an der Rechtswissenschaftlichen oder der Medizinischen Fakultät promovieren und besuchen dementsprechend den „PhD BmEL/Law Track“ mit Schwerpunkt im Recht oder den „PhD BmEL/Medical Track“ mit Schwerpunkt in biomedizinischer Ethik.

 

II. Law Track

Der PhD BmEL/Law Track richtet sich an besonders qualifizierte Juristinnen und Juristen, die sowohl theoretisch als auch praktisch auf die für eine akademische Tätigkeit erforderlichen Kompetenzen im Bereich des nationalen und internationalen Medizinrechts, Gesundheitsrechts und der Bioethik in Forschung und Lehre fokussieren wollen. Der Law Track wird von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät angeboten und ist für ca. 10 bis 15 Doktoranden  konzipiert. Für die Koordination des Law Tracks ist Frau Prof. Dr. iur. utr. Brigitte Tag (Programmdirektorin) zuständig.
Die Doktoranden erhalten damit die Gelegenheit, sich in ihrem Gebiet zu spezialisieren, um sich sowohl in der Forschung, der Politik, der Wirtschaft als auch in der Gesellschaft ideal positionieren zu können. Überdies besteht die Möglichkeit, sich für eine akademische Karriere zu qualifizieren.
Der Law Track dauert in der Regel drei Jahre und umfasst, neben der Ausarbeitung einer Dissertation, Module im Umfang von mindestens 30 Kreditpunkten. Nach der Bolognaformel entspricht ein Kreditpunkt ca. 30 Arbeitsstunden. Die Dissertation ist in Form einer Monographie zu verfassen und soll einen selbstständigen Beitrag zur Forschung leisten. Das Curriculum beinhaltet Module aus den Bereichen Recht und Ethik sowie weitere Module, die individuell gewählt werden können. Überdies besteht sowohl innerhalb, als auch außerhalb der Universität eine große Auswahl an Weiterbildungsangeboten. Für jedes Modul ist ein Leistungsnachweis zu erbringen. Sofern der Leistungsnachweise mit "bestanden (passed)" bewertet wurde, werden die in der Doktoratsordnung vorgesehen Kreditpunkte vergeben.
Um das Angebot möglichst flexibel zu gestalten und auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden anzupassen können Masterstudierende einer Rechtswissenschaftlichen Fakultät bereits während der Masterstufe Module des Law Tracks absolvieren und sich die dadurch erworbenen Kreditpunkte anrechnen lassen (Fast-Track). Die Anrechnung setzt einen entsprechenden Antrag voraus, der mit den Bewerbungsunterlagen einzureichen ist. Durch den Fast-Track kann je nach Einzelfall die Dauer des Law Tracks verkürzt werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass Leistungen, die nach Abschluss des Studiums erbracht wurden, auf Antrag hin angerechnet werden.
Die Rechtswissenschaftliche Fakultät verleiht nach erfolgreichem Abschluss des PhD BmEL/Law Track den Titel „Dr. iur.“. Die Doktorin oder der Doktor darf stattdessen auch als englische Übersetzung den Titel „PhD“ führen.

 

III. Medical Track

Der PhD BmEL/Medical Track ist für hochqualifizierte Bewerberinnen und Bewerber konzipiert, die sich insbesondere für die biomedizinische Ethik und die Schnittstelle Ethik, Gesundheitsrecht und Menschenrechte interessieren. Der Medical Track wird von der Medizinischen Fakultät angeboten
Der Medical Track dauert in der Regel drei Jahre und umfasst, neben der Ausarbeitung einer Dissertation, den Erwerb von 30 Kreditpunkten. Die von lokalen und internationalen Expertinnen und Experten durchgeführten Kurse und Intensivseminare werden durch Wahlmodule ergänzt, durch welche die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eigene inhaltliche und methodische Akzente setzen können. Ein Fast-Track oder die Verlängerung des Medical Tracks sind mit Zustimmung der Doktoratsprogrammkommission BmEL MeF möglich.
Bewerben können sich Ärztinnen und Ärzte oder Absolvierende anderer akademischer Disziplinen, mit ausgeprägtem Interesse an der biomedizinischen Ethik. Die interessierten Personen sollten über einen Master-Abschluss (oder einen als gleichwertig anerkannten Abschluss) verfügen, sich als akademisch exzellent erwiesen haben sowie sehr gute Englischkenntnisse nachweisen können, da der Medical Track auf Englisch durchgeführt wird.
Medizinstudierende können sich bereits im Laufe des dritten Studienjahres für den Medical Track bewerben, wobei die Aufnahme in den Medical Track in diesem Fall vorläufig ist und erst mit erfolgreichem Abschluss des Medizinstudiums definitiv wird. Vorläufig aufgenommene Programmteilnehmende können so den PhD mit dem Master of Medicine kombinieren und bereits während der Masterstufe Module des Medical Tracks absolvieren (MMed/PhD-Option). Nach dem Erwerb des Master of Medicine können sie sich auf ihre Dissertation konzentrieren.
Graduierte können sich für einen akademischen Karriereweg im Bereich der biomedizinischen Ethik entscheiden, ihre erworbene Expertise in Ethik-Kommissionen oder in die eigene medizinische Tätigkeit einbringen sowie ihre berufliche Entwicklung durch den erworbenen akademischen Grad positiv beeinflussen.

 

IV. Übersicht über das Curriculum des Law Tracks

Das Curriculum gliedert sich in

  • Pflichtmodule im Umfang von 18 Kreditpunkten (KP)
  • Module aus dem Wahlpflichtpool 1 im Umfang von 6 KP
  • Module aus dem Wahlpflichtpool 2 im Umfang von 6 KP

Pflichtmodule (18 KP)

 

Pflichtmodule Recht

Medizinrecht I

6 KP

Medizinrecht II

6 KP

Pflichtmodule Ethik

Foundations in biomedical ethics

3 KP

Contemporary issues in biomedical ethics

3 KP

 

Wahlpflichtpool 1 (6 KP)

 

Wahlpflichtpool Recht

Approaches and Ways of Legal Thinking

3 KP

Introduction to the medical and health care law

3 KP

Gesundheitsrecht I

3 KP

Gesundheitsrecht II

3 KP

Weiterführendes Modul nach Ankündigung

n. A.

Wahlpflichtpool Medizin und Ethik

Rechtsmedizin

3 KP

Forensik

3 KP

Ethik, Theorie und Recht in der Medizin

4 KP

Weiterführendes Modul nach Ankündigung

n. A.

 

Wahlpflichtpool 2 (6 KP)

 

Module aus Wahlpflichtpool 1, sofern nicht bereits absolviert

Siehe oben

Besuch von Tagungen, Abhalten von wissenschaftlichen Vorträgen, Verfassen von wissenschaftlichen Texten, etc.

KP n.A.

Gesamtes Angebot der Master-Studiengänge der Universität Zürich oder anderer Hochschulen

Gesamtes Hochschuldidaktisches Weiterbildungsangebot der AFH oder gleichwertige Weiterbildungsangebote anderer Hochschulen, wobei höchstens 4 Kreditpunkte aus Modulen anderer Hochschulen stammen dürfen.

Gesamtes Weiterbildungsangebot der Universität Zürich oder gleichwertige Weiterbildungsangebote anderer Hochschulen

Sprachkurse

Computerkurse

Mentoring-Programme

Kolloquien

 

V. Bewerbung

Bewerben können sich Juristinnen und Juristen, die für den Law Track besonders motiviert und geeignet sind. Sie sollten außerdem über einen guten Abschluss verfügen und fließend Deutsch sprechen, da die Module des Law Tracks vorwiegend in Deutsch durchgeführt werden. Zudem sind solide Englischkenntnisse erforderlich.
Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 15. Mai 2009, sie kann auf begründeten Antrag hin verlängert werden. Aufgrund der eingereichten Unterlagen wird entschieden, wer zu einem persönlichen Auswahlgespräch eingeladen wird. Nachdem dieses durchgeführt wurde, werden die Doktoranden bestimmt, welche ab dem Herbstsemester 2009 den Law Track absolvieren können. Die Doktoranden werden ermutigt, sich bei den anerkannten Forschungsinstitutionen um Stipendien zu bewerben. 

 

VI. Kontakt

Prof. Dr. iur. utr. Brigitte Tag

Programmdirektorin PhD BmEL/Law Track
Freiestrasse 15
CH-8032 Zürich
Telefon: +41 (44) 634 39 39
E-Mail: bmel@rwi.uzh.ch
web: www.bmel.uzh.ch/law