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Europarecht im Theater

Das Ensemble-Projekt „Die europäische Verfassung - Eine Verzettelung“
am Stadttheater Freiburg

von stud. jur. Claudia Kornmeier, Universität Freiburg

 

 

Am Stadttheater Freiburg inszeniert Christoph Frick das Ensemble-Projekt „Die europäische Verfassung - Eine Verzettelung“. Die Inszenierung ist Teil des Projekts „Festung Europa“. Nachdem das Theater in der vergangenen Spielzeit die These „Europa wird kulturell sein oder es wird nicht sein“ an seiner Fassade plakatiert hatte, will es sich nun auf der Bühne mit dem Thema befassen.

Aber wie bringt man die Europäische Verfassung auf die Bühne? „Die Verfassung Europas als Theaterprojekt – das heißt, einen Gegenstand zu untersuchen, den keiner kennt“ kündigt das Theater an.

Knapp neun Jahre sind vergangen seit der Europäische Konvent seine Arbeit aufgenommen hat und einen Entwurf für eine Verfassung für Europa vorgelegt hat. Aus dem Vertrag über eine Verfassung für Europa ist der Vertrag von Lissabon geworden. Mehrere Regierungskonferenzen, Ratssitzungen und gescheiterte Ratifikationsprozesse wurden abgehalten. Die Europäische Union hat sich um zwölf Staaten vergrößert. Und es gilt noch immer der Vertrag von Nizza.

In der Inszenierung schlüpft das Ensemble in die Rolle dreier Abgeordneten des Europäischen Parlaments: Schwarzer Anzug, weißes Hemd, Krawatte; die drei ähneln einander zum Verwechseln, erscheinen gleichsam austauschbar. Mal wuseln sie hektisch um Tische und Stühle herum, mal räkeln sie sich träge im Sessel. Jede Bewegung scheint Planlosigkeit auszudrücken. Auf der Bühne herrscht Chaos: Stapel von Aktentaschen, Aktendeckeln, Büromaterial, Kaffeemaschinen und -tassen. Sprachen wechseln wild durcheinander, Nationalhymnen werden im Original intoniert, aus Zeitgründen und ob der großen Anzahl auch parallel. Wer hier wen versteht und ab wann nicht mehr, bleibt offen.

Die Schauspieler verlesen den Originaltext des Verfassungsvertrags (nicht die konsolidierte Fassung), die Tagesordnung oder das Protokoll einer Sitzung. Und das Publikum hat den Eindruck hier trage ein Kabarettist seinen neuesten Text vor. Selbst abgehärtete Juristen müssen bei dieser direkten Konfrontation (mit ihren eigenen Texten) ob der ungewollten Komik lachen.

Die Inszenierung behandelt auch aktuelle europapolitische Themen. Eben noch Abgeordnete schlüpfen die Schauspieler in die Rollen von Thunfischfischer und den Regierungsvertretern von Malta und dem Libanon. Was folgt, ist eine bitterkomische Karikatur der europäischen Asylpolitik.

Im Anschluss an die Vorstellung lädt das Theater zur Diskussion mit Experten ein. Die Bandbreite ist weit: ein Europaabgeordneter, Rechts-, Politik- und Sozialwissenschaftler, ein Ökonom. Im November stellte sich Prof. Dr. Murswiek der Diskussion. Am 9. Januar kommenden Jahres folgt Prof. Dr. Hochhuth.

Während der Diskussion saßen zwar viele Juristen im Publikum. Aber nicht ausschließlich. Das verdeutlichte die Notwendigkeit, die Komplexität der juristischen Sachverhalte und Argumente, die dem europäischen Reformprozess zugrunde liegen, einem Laien verständlich zu erklären. Das immer wieder propagierte Ziel also: Europa, seinen Bürgern näher zu bringen. Dieser Kommunikationsprozess obliegt aber nicht nur den „Berufseuropäern“, sondern jedem „Experten“ – also gerade auch uns Juristen.

 

 

 

 
 
 
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