![]() |
||
|
Artikel downloaden |
"Ni hao" oder "Welcome to Asia" von stud. jur. Slavica Markovic, Universität Freiburg
Der Festsaal eines luxuriösen Hotels im Herzen Beijings im August 2007. Elegant gekleidete junge Leute an den Tischen verteilt, der dritte Gang wird gerade abgeräumt, man unterhält sich gedämpft. Ein älterer Herr tritt ans Rednerpult. Freundliche, warme, kluge Worte fallen. Ein ohrenbetäubender Applaus brandet schließlich auf als er dem Publikum dankt und die Bühne verlässt. Was war geschehen?
Tu Weiming, seit über 25 Jahren Professor für Chinesische Geschichte und Philosophie in Harvard und von Kofi Annan ernanntes Mitglied der Kommission "Group of Eminent People" blickte zurück auf vier Tage HPAIR Academic Conference. Vier Tage der Diskussionen in Workshops, Plenary Sessions und Field Trips. Zeit für Freude, für Gelächter, für engagierte und hitzige Diskussionen mit Experten und Studierenden aus aller Welt, Zeit für improvisierte Proben zum Auftritt bei der International Night. Doch was konkret brachte all diese Menschen zusammen?
I. Das ProjektDas Harvard Project for Asian and International Relations (HPAIR) ist die weltweit größte studentisch organisierte Konferenz zu Themen globaler Entwicklungen im asiatischen Raum. Im Fokus des interdisziplinären Projektes stehen Themen des Asien-Pazifik-Raumes und deren Auswirkungen auf die Weltgemeinschaft. Organisator ist die Harvard Universität in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Ausrichter, einer Universität der asiatischen Metropolen vor Ort.
HPAIR ist das weltweit renommierteste und größte universitäre Projekt, das unter einer Thematik alle Disziplinen miteinander vereinigt. Ziel ist es, den andauernden Dialog zu Themen der Asienregion durch das Stellen einer breiten Diskussionsplattform nachhaltig zu fördern und anzuregen.
So treffen sich jährlich hochrangige Vertreter aus Politik, führende Köpfe der Wissenschaft sowie Experten aus wirtschaftlichen Sektoren mit Studierenden und Doktoranden, um aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen des ost- und südostasiatischen Raumes gemeinsam zu diskutieren und Lösungsansätze zu erarbeiten.
II. Die KonferenzenDie Academic Conference, erstmals 1992 in Taipeh ausgerichtet, sieht für gewöhnlich innerhalb des Programmablaufs zunächst Plenary Sessions vor, in denen hochrangige Gäste aus Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik gemeinsam zu Themen der Konferenz diskutieren und Fragen des Publikums erörtern. Anschließend bieten mehrere Workshops unter Anleitung namhafter Professoren und Wirtschaftsexperten den Teilnehmern die Möglichkeit, zu spezifischen Aspekten gemeinsam zu arbeiten. Gastvorträge, Fragerunden, Ausflüge und Abendprogramm runden die Konferenz ab. Hierbei stellen Studierende und Doktoranden Arbeitsbeiträge vor, erörtern Thesen und debattieren zu Einflüssen verschiedener Aspekte.
Unter dem Thema Engaging Asia: Discourse and Dialogue gehörte die Plenary Session “Beijing 2008: The Games’ Olympic Impact” zu den spannendsten Augenblicken der Veranstaltung. Der verantwortliche Marketingchef des Ausrichters neben dem Vorsitzenden des IOC sowie weitere Experten diskutierten die Pläne Pekings, Umweltprogramme, den Einfluss der Politik auf die Ortsvergabe und vieles mehr. Auch boten die Workshops unter Anleitung herausragender Wissenschaftler sowie Vertreter aus Politik und Wirtschaft die Möglichkeit, konkrete Fragestellungen anzugehen und Positionen kritisch zu hinterfragen.
Die Workshops:
• Economic Growth in Asia and its Effects on Society
So debattierte man im Security Workshop den Einfluss des Fundamentalismus auf die Außenpolitik der asiatischen Staaten wie im Social Policy Workshop die Möglichkeit einer Neugestaltung von Entwicklungshilfe oder im Economic Growth Workshop die soziale Verantwortung von Großunternehmen im Zuge der Globalisierung. Bis ins Detail beschrieb beispielsweise Katherine Vorisek, Senior Partner bei JP Morgan China einzelne Schulprojekte, die in den vergangenen zehn Jahren in den ärmsten Provinzen Chinas verwirklicht worden sind. Spannend auch die Abschlusssession innerhalb des Security Workshops, bei dem in moderierter Runde der kleine Raum aus allen Nähten platzte: die Außenminister Chinas und Südkoreas diskutierten die Thematik der Unabhängigkeit Tibets und der Wiedervereinigung Nord- und Südkoreas weitaus offener, als man es aus europäischer Sicht vielleicht gemutmaßt hätte.
Eine Auswahl der mehr als sechzig Gäste:
His Excellency Mr. Ong Keng Yong Zhang Xinsheng David Dollar Nicholas Christakis Robert Barnett
Doch die heimliche Krönung der Veranstaltung stahl so einigen glanzvollen Reden die Show: Die International Night bietet allen teilnehmenden Ländergruppen die Möglichkeit, sich und seine Herkunft durch einen Auftritt den anderen vorzustellen. Neben den laut Harvardstaff "well organized partykings", den "Germans" - die Teilnehmergruppe der deutschsprachigen Länder verdient sich diesen Titel jährlich aufs Neue: ob durch unsere vollzählige Anwesenheit bei den Begrüßungsrunden trotz ausgedehnter Clubbesuche mit den Indern bis in die frühen Morgenstunden oder den Stand mit Haribo, Pumpernickel, diversen Schokoladetafeln undundund -insgesamt war es aber begeisternd, die Beiträge aus Indien, China, Korea und der Ukraine zu sehen, sich in Volkstänze mit hineinziehen zu lassen oder einfach nur fröhlich und ausgelassen miteinander zu feiern. Es ist beachtlich, wie viel man binnen weniger Tage voneinander erfährt und kennenlernt. HPAIR wird so seinem Ziel bis in die letzte Instanz gerecht: Disziplinenübergreifend exzellente Ansätze im Dialog zu verknüpfen und dabei das Forum für eine völkerübergreifende Verständigung zu ermöglichen. HPAIR? "It's about the people!" HPAIR wächst. Neben der Academic Conference findet seit 2004 eine Business Conference statt. Unter Zuarbeit engagierter Harvardstudenten ist es nach einer Versuchsphase gelungen, einen Kongress zu etablieren, an dem neben Studierenden überwiegend junge Fachkräfte, akademischer Nachwuchs sowie Spitzenkräfte einschlägiger Unternehmen aus den verschiedenen Sektoren teilnehmen. Fokus hier: der asiatische Markt und die Rolle asiatischer Länder innerhalb der Weltwirtschaft.
Unter dem Schirm der Thematik Engaging Asia: Collaboration and Competition fanden sich wenige Tage nach Beijing Teilnehmer aus aller Welt im Grand Hyatt ein, um der Eröffnungszeremonie der Business Conference beizuwohnen. Ausrichter in der wohl größten kosmopolitischen Stadt der Welt: Hongkong University. Und, man gab sich alle Mühe, die Gäste aus aller Welt willkommen zu heißen. Themen der Plenary Sessions: Made in China: The Competitive Advantage sowie Pan Asian Integration: Economic Growth and Foreign Investment.
Discussion Panels innerhalb der Sektoren Financial Service, Energy and Infrastructure, Foreign Direct Investment, Consumer Branding & Marketing, Entrepreneurship and Venture Capital, Corporate Governance and Regulation sowie Media and Entertainment boten uns Teilnehmern wahlweise die Gelegenheit, aus jeweiligem Blickwinkel der speziellen Bereiche Veränderungen und Entwicklungen der letzten Jahre zu untersuchen sowie interessante Einblicke in Neuland zu gewinnen.
Vom Anspruch und Gehalt der Sessions ebenso herausragend in Hongkong: Die verschiedenen Workshops. Zeitlich so gelegt, dass es jedem möglich war, zwei der Workshops zu besuchen, die Themen:
• The Art of Price Wars: focusing on targeted pricing, pricing strategies, competitive strategies and retail management. • Case Studies: Samsung Electronics & Lincoln Electric: Strategies in business • China & the WTO: Law and Bureaucracy • Leveraging External Sources of Innovation: Managing and Recruiting Talent
Gewiss, kaum einer der jungen Akademiker an sich verfügt über eine solche Bandbreite an Wissen, innerhalb aller Themen mitdiskutieren zu können. Jedoch ist dies auch nicht der Anspruch. Ziel und Vorgabe HPAIRs ist es, Interessierten über gezielte Vorbereitung eine optimale Konferenzteilnahme zu ermöglichen, Erkenntnis über Zusammenhänge zu vermitteln und neugierige Fragen zu provozieren. Die vorherige Festlegung auf Workshops und Discussion Panels der Teilnehmer bei Bewerbung ermöglicht dem jeweiligen Verantwortlichen, den Teilnehmern durch ausgesuchte Literatur und Hinweise Wochen vorab ein solides Grundgerüst an Sachwissen und Kenntnissen zu vermitteln. Dadurch wird Teilnehmern aller Fächer die Möglichkeit geboten, Diskussionen spezieller Themen aktiv mitzugestalten.
Der Teilnehmerkreis in Hong Kong war im Vergleich zu Beijing durchaus überschaubar. Somit war es den Anwesenden ein Leichtes, sich mehr oder minder gemeinsam im Nachtleben durch die Salsabars und Clubs der Stadt zu bewegen. Die Atmosphäre hatte etwas sehr Angenehmes, Leichtes, Familiäres. Viel wurde gemeinsam gelacht und diskutiert. Schließlich kannte man einige der ausländischen Teilnehmer bereits aus Beijing, wo man zum Teil bereits dasselbe Apartment bewohnt hatte. Familiär und gesellig die Grundstimmung, wenngleich es auch nach dem Frühstück um Themen ging, wer nach Stein-Schere-Papier-Battles wem die Koffer in die Lobby bringt. Die Business Conference als krönender Abschluss der HPAIR-Tour 2007: Ein sagenhaftes Event.
Neben den beiden Sommerkonferenzen wird ab diesem Frühjahr ein Plenum stattfinden, welches Forschungsvorhaben institutionalisieren soll und überwiegend auf junge interessierte Studierende zugeschnitten ist: Die Harvard Conference wird - ergänzend zu den Veranstaltungen im Sommer neben dem üblichen Ablauf - die Gelegenheit geben, auf dem Campus zu wohnen und Researchmöglichkeiten zu nutzen. Im Fokus stehen die wirtschaftlichen, politischen kulturellen und sozialen Belange Asiens, welche man über Nutzung der universitären Infrakstruktur auf dem Campus in Cambridge gewinnend diskutieren will.
III. Zum BewerbungsverfahrenDie Bewerbung für alle drei Konferenzen verläuft unabhängig voneinander online und zentral über Harvard. Unter www.hpair.org finden sich neben Erläuterungen, Hintergrundinformationen und Berichten der vollständige Bogen zur jeweiligen Bewerbung. Neben einem Motivationsschreiben und einem einzureichenden Lebenslauf werden Essays zu Themen der kommenden Workshops gefordert. Sind alle Unterlagen in englischer Sprache verfasst vollständig, erfolgt wenige Wochen nach Fristablauf die Zu- oder Absage zur Konferenz. Auch gibt es eine Warteliste, über die Interessierte noch zugelassen werden können.
IV. Konferenzen 2008Nach Konferenzen in Seoul, Sydney, Shanghai, Tokyo, Singapur, Beijing und Hongkong werden vom 15. bis 18. August 2008 Hanoi, Vietnam, und vom 21. bis 24. August Kuala Lumpur, Malaysia, Ausrichter der Konferenzen sein.
Bewerbungen unter www.hpair.org für die Academic und die Business Conference: Ab dem 1. Februar 2008
Teilnehmer mit einer Zusage des Harvard Boards haben die Möglichkeit, Mitglied im deutschsprachigen Netzwerk zu werden. Das Student Project for Asian International Relations (SPAIR e.V.) bereitet die Teilnehmer inhaltlich auf die Konferenzteilnahme vor und fördert die Mitglieder durch Seminare, Kooperationen mit Asiennetzwerken und Zusammenarbeit mit ausgewählten Unternehmen. Informationen unter: www.spair-germany.de
Wofür all die Anstrengung, Mühe und die harte Arbeit? Nun.. überzeugt Euch einfach selbst! Aus meiner Sicht genügen wenige Worte:
HPAIR - A lifetime experience!
|
|