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Warum ausgerechnet Hongkong?
Ein Auslandsaufenthalt

von stud. jur. Giulia Kromer, Universität Freiburg

 

 

„Warum ausgerechnet Hongkong?“ Diese Frage wurde mir in den Monaten vor meiner Abreise oft gestellt. Und es stimmt, es gibt viele näher liegende Ziele, etwa in Spanien oder Italien, die weniger Aufwand erfordern und im Gegensatz zum deutschen Studienalltag Spaß, Entspannung und Abwechslung verheißen. Richtig ist auch, dass die Bewerbung für ein Auslandsjahr in Hong Kong mehr Aufwand bedeutet: die Vorbereitungen beginnen früher (etwa ein Jahr vor Abreise), es müssen mehr Formalitäten erledigt werden (Bewerbungsbogen, Motivationsschreiben, Englischtest, Einholung zweier Gutachten, Auswahlgespräch) und es wird eine höhere Eigeninitiative erwartet. Wen dieser geringe Mehraufwand jedoch nicht abschreckt, der wird ein in jeder Hinsicht unvergessliches Abenteuer erleben, denn dafür bietet Hong Kong definitiv ausreichend Möglichkeiten. Auch an finanziellen Engpässen sollte der Aufenthalt nicht scheitern, zum einen ist das Leben in Hong Kong nicht teurer als in Europa, zum anderen besteht die Möglichkeit eines großzügigen Stipendiums durch die Landesstiftung Baden – Württemberg.

 

In akademischer Hinsicht liegen die Vorteile auf der Hand: die Vorlesungen finden in kleinen Gruppen (etwa 20 Studenten) auf Englisch statt, die Professoren haben durchweg einen internationalen akademischen Hintergrund (Australien, USA, Kanada, China, England)  und die Universität ist hervorragend ausgestattet. Ein weiterer Bonus ist die Flexibilität während des Auslandsjahres, das Studium kann nämlich vollkommen eigenständig geplant werden und damit auch die Ferienzeit. Die Vorlesungszeit ist auf etwa 3 Monate begrenzt, welche von einer Woche „reading period“ unterbrochen wird. In dieser Zeit werden Austauschstudenten ausdrücklich aufgefordert, zu reisen, sodass sich kurze Ausflüge auf das Festland oder andere Ziele anbieten. Das Kursangebot an der Universität ist sehr umfangreich (von Seerecht über Menschenrechte in China und das Recht der WTO ist alles dabei) und so fällt die Auswahl entsprechend schwer.

 

Besonders reizvoll für den ausländischen Studenten sind jedoch die kulturellen Erfahren, die hier zu machen sind. Denn die Stadt selbst und nicht zuletzt auch ihre Lage sind einzigartig: Hong Kong hat viele verschiedene Gesichter. Da wären zum einen der Bereich Central (auf der Insel), mit modernen Hochhäusern, Shopping Malls, Kolonialgebäuden und dem Hafen. Etwas höher gelegen ist der Bereich Soho, der sich über mehrere Ebenen erstreckt, die mit Rolltreppen erreichbar und verbunden sind und in dem nicht nur einzigartige Bars, Clubs und Restaurants zu finden sind, sondern auch unverhofft kleine kantonesische Märkte, auf denen Obst noch mit Gewichten auf alten Waagen abgewogen wird. Südlich von Central liegt der Bereich Kowloon, wo man sich in einem Gewirr von kleinen Straßen verirrt und auf Inder, Schwarzafrikaner und Chinesen trifft, und man wohl alles Erdenkliche käuflich erwerben (und essen!) kann, und schließlich die New Territories, unterhalb der Grenze zu China, die wunderschöne Ausflugsziele für Wanderungen bieten und Standort der Chinese University sind. Das Aufeinandertreffen so vieler verschiedener Kulturen vor dem chinesisch-britischen Hintergrund (Doppeldeckerbusse, Linksverkehr) ist nicht nur reizvoll, sondern einzigartig und zumindest eine Reise, wenn nicht einen längeren Aufenthalt wert.

 

Während meines Jahres habe ich viele Erfahrungen gemacht, die ich in dieser Form nirgendwo sonst hätte machen können: die Hot Pot Abende (eine Art chinesisches Fondue, statt Käse wird eine würzige Brühe verwendet, in die noch - teilweise lebende - Shrimps getaucht werden), die Boat Parties (Studenten mieten gemeinsam ein Boot für den Abend und feiern gemeinsam auf dem Wasser), die Ausflüge (kleine Inseln in der Umgebung Hong Kongs, Klöster, Macao..) und vor allem die Freundschaften, die während dieser Zeit entstanden sind. Meine Mitbewohnerin aus Hong Kong möchte ich als Freundin nicht mehr missen, auch wenn ich mir anfangs nie hätte vorstellen können, mir ein Jahr lang ein Zimmer mit einer mir völlig fremden Person zu teilen.

 

Insgesamt kann ich jedem ein Auslandsjahr in dieser einzigartigen Stadt ans Herz legen - es ist ein Gewinn und eine Bereicherung in jeder Hinsicht.

 

 
 
 
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