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Ein Praktikum an der Deutschen Botschaft Managua, Nicaraguavon Claudia Kornmeier, Universität Freiburg
Für zwei Monate habe ich an der Deutschen Botschaft Managua in Nicaragua Praktikum gemacht. Ein insgesamt sehr gelungenes Praktikum mit netten Kollegen, bei dem ich viel über die Arbeit einer Botschaft sowie das Gastland gelernt habe.
I. Die Bewerbung Die Bewerbung beim Auswärtigen Amt ist nicht einfach. Aber wer es geschafft hat, die Online-Bewerbung abzuschicken, kann zumindest in Zukunft mit gutem Gewissen auf die Frage nach PC-Kenntnissen mit „sehr gute Kenntnisse“ antworten. Das Problem: für alle im Fragebogen genannten Noten, Praktika, Jobs etc. muss ein Nachweis erbracht werden. All diese Nachweise bitte gebündelt in einer einzigen Pdf-Datei. Und um die Sache nicht unnötig zu vereinfachen: bitte nicht größer als 2 MB. 2 MB, das ist ungefähr die Größe des eingescannten Abiturzeugnisses, sofern die Noten in noch lesbarer Auflösung zu sehen sein sollen.
II. Das Praktikum In meinen Emails nach Hause habe ich viel von meinen Ausflügen und Reisen am Wochenende und über das alltägliche Leben in Managua erzählt. Über die Arbeit an der Botschaft aber scheinbar nicht so viel. Jedenfalls bekam ich immer wieder die Reaktion: "Und dein Praktikum? Deine Arbeit? Ist die auch so interessant?" – Und ja, die Arbeit an der Botschaft kann genauso interessant sein wie ein Ausflug durch den Urwald und genauso lustig wie die Busfahrten auf der Rumpelpiste Carretera Vieja. Interessant waren meine Aufgaben im Bereich der politischen Arbeit der Botschaft, d.h. die Recherche und das Verfassen von Berichten. Diese Berichte werden entweder auf Weisung des Auswärtigen Amts in Berlin oder aus eigener Initiative verfasst und bilden für die Bundesregierung die Hauptinformationsquelle für die Vorgänge im entsprechenden Land. Berichte, an denen ich gearbeitet habe, befassten sich beispielsweise mit den Themen „Situation der Homosexuellen in Nicaragua“, den Grenzkonflikten Nicaraguas mit Costa Rica, Honduras und Kolumbien oder der Verwicklung eines der Präsidentschaftskandidaten in einen Bankenskandal. Hauptsächlich im Bereich der Entwicklungshilfe gab es immer wieder Zusammenkünfte der EU-Staaten oder Geberländer, an denen ich teilnehmen konnte. Als Schwerpunktland der deutschen Entwicklungshilfe werden Land und Leute nicht nur in groß angelegten Projekten, die von der GTZ und nicht von der Botschaft durchgeführt werden, unterstützt. Daneben gibt es die so genannten „Kleinstprojekte“. Eine punktuelle Förderung von jährlich ca. zwölf Projekten, die auf Antrag und nach Auswahl gefördert werden. Das kann entweder die Hilfe beim Aufbau einer Schule, die Finanzierung von Zäunen für eine Schafszucht oder auch die Unterstützung einer Bonbonfabrik sein. Wichtig ist, dass der Bewerber ein überzeugendes Projekt vorstellt, das auch noch nach Ende der Unterstützung mit eigenen Mitteln weitergeführt werden kann, und vertrauenswürdig erscheint. Diese Projekte müssen zur Überprüfung mindestens einmal besucht werden. Das kann in einem Land wie Nicaragua auch bei kleineren Entfernungen zu mehrtägigen, beschwerlichen Ausflügen führen. Ich konnte bei der Einweihung von zwei Solarpanelen einer Bauernkooperative im Norden von León teilnehmen. Eine Fahrt über Erdstraßen und Feldern, um seeartigen Pfützen auszuweichen, führte uns recht schnell von dem gut und modern angebundenen León mitten in die ländliche Realität Nicaraguas. Die restlichen Teilnehmer kamen zum Teil zu Fuß von kilometerweit entfernten Fincas zu der Einweihung. Nach diversen Ansprachen wurden die Panelen vom Priester zur Weihung mit Wasser und beblätterten Ästen bespritzt. Im Bereich der konsularischen Aufgaben habe ich bei der Bearbeitung von Anträgen von Sozialhilfeempfängern und Anträgen auf konsularische Hilfe mitgeholfen sowie kleinere Probleme im Bereich des internationalen Privatrechts gelöst, z.B. die für die Passausstellung notwendige Klärung nach welchem Recht ein Familienname bestimmt wird. Daneben habe ich bei der Aktualisierung des Wirtschaftsteils der Webseite mitgeholfen, eine Ausstellung zu Alexander von Humboldt organisiert und hatte die Gelegenheit – beim Besuch eines deutschen Insassen - das Gefängnis für besondere Regierungshäftlinge von Innen zu sehen. All das ist „interessant“. Aber viel mehr Spaß macht es von den Geschichten im Stil "Carretera Vieja" zu erzählen. Da gab es den alten Mann, der einmal die Woche vorbei kam und im Namen der "Trinidad Santisima" einen eng beschriebenen, kaum lesbaren Brief in selbstgebasteltem Umschlag mit detaillreichen Raketenzeichnungen und Beschussszenarien, gespickt mit Bibelzitaten, abgab. Der letzte Deutsche, der hier im Gefängnis saß, hat es dorthin geschafft, indem er sich zum Honurarkonsular von Aipotu (Anm.: das ist Utopia rückwärts) mit Stempeln und Marken im Pass bastelte, um in Zentralamerika "Revo-Cola" (für den guten Alt-Revoluzzer) zu vermarkten. Gespräche mit Evo Morales und Fidel hatte er schon aufgenommen. Nicht zu vergessen der Anruf beim Wirtschaftsministerium: Ich brauche die Zahl des Handelsaufkommens zwischen Nicaragua und Costa Rica. Ich denke, das einfachste wird sein beim Wirtschaftsministerium anzurufen. Die werden die Zahlen haben. Ich melde mich höflich, gebe meinen Namen und stelle meine Frage. "Buenas Días, Claudia." Danach geht es weiter: Wie ist Ihr Nachname? Wie? Können Sie mir das bitte buchstabieren? Wie? E I R? E I A? Und als wir das geklärt haben: Haben Sie eine Telefonnummer? Email-Adresse? - -Ja, aber die ist kompliziert. Wieder mein Name. Mehrfaches buchstabieren. @auswaertiges-amt.de macht die Sache nicht gerade einfacher. Dann werde ich noch einmal gefragt, was ich eigentlich wissen wollte. Ich würde dann eine Email bekommen, wenn Sie die Zahlen herausgefunden haben. Herausgefunden? Drei Stunden später habe ich die Zahlen im Internet zufällig gefunden. Drei Tage später bekomme ich vom Ministerium eine Email. Mit wunderschönem blauen Wolkenhintergrund und den angefragten Zahlen.
III. Fazit
Ich denke, ein Praktikum an einer deutschen Auslandsvertretung ist eine gute Möglichkeit die praktische Studienzeit im Ausland zu absolvieren, da man zum einen im Studium erworbenes Wissen anwenden kann. Zum anderen lebt und arbeitet man in einem fremden Land, in einer fremden Sprache. Obwohl die Umgangssprache zwischen den Botschaftsangehörigen natürlich Deutsch ist, wird man ohne Spanischkenntnisse nur schwer weiterkommen. Konferenzen werden fast ausschließlich auf Spanisch geführt, auch zwischen Vertretern der EU Staaten wird häufiger als Englisch Spanisch als Verhandlungssprache gewählt. Daneben läuft jeder Kontakt zu Einheimischen nur auf Spanisch, da Englisch weiterhin nur wenig und wenn dann meist schlecht gesprochen wird. Meine Kollegen waren sehr freundlich und hilfreich, stets bemüht mir ihre Arbeit zu erklären und interessante Aufgaben für mich zu finden. An der Botschaft hat ein angenehmes Arbeitsklima geherrscht, in dem ich mich sehr schnell zurecht gefunden und wohl gefühlt habe. Durch den Kontakt mit den Kollegen habe ich neben der Arbeit der Botschaft auch gelernt, was es bedeutet als Diplomat im Ausland zu arbeiten und vor allem zu leben. Faszination und Schwierigkeiten des Berufs kamen in Gesprächen sehr gut zum Ausdruck. Ich habe während des Praktikums einen guten Überblick über die Arbeit einer Botschaft bekommen. Wo ich mir zuvor nicht mehr als Passausstellen und vage Repräsentationsaufgaben vorstellen konnte, kann ich jetzt konkrete Arbeitswege nachvollziehen und verstehe Sinn und Zweck der Auslandsvertretungen im Gefüge des Auswärtigen Amts. |
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