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Praktikum bei Clifford Chance, Frankfurt a. M.

von Stefanie Noack & Kai Werner, Universität Freiburg

 

 

Nachdem bereits zwei unserer Redaktionsmitglieder begeistert ein Praktikum bei der internationalen Wirtschaftskanzlei Clifford Chance im schönen Frankfurt am Main absolviert haben, erschien es uns an der Zeit, die dort gesammelten Erfahrungen mit Euch zu teilen. Vielleicht kann der Bericht motivieren, es uns gleich zu tun.

 

I. Warum eine Großkanzlei?

Es erscheint uns als sehr wichtig, zumindest eines der Praktika  im Studium in einer großen Wirtschaftskanzlei gemacht zu haben. Selbst wenn man für sich entschieden hat, eine Zukunft in Feld, Wald und Wiese zu genießen oder in freier Rechtsschöpfung dem BGH beizutreten, sollte man doch einmal einen Blick hinter die hohen Fassaden der glänzenden Bürotürme gewagt haben. Denn nur im Studium hat man die Freiheit, danach auch wieder unverbindlich zu gehen. Doch sollten die Vorteile einer Großkanzlei nicht unterschätzt werden. Wo sonst hat man die Möglichkeit, so großartige und hoch spezialisierte Projekte zu betreuen, immer etwas Neues zu sehen und ständig an neuen Herausforderungen zu wachsen? Auch als frei von Hierarchien arbeitendes Individuum kann man hier durchaus seine Nischen und darin seine Erfüllung finden. Darum erscheint es uns als nicht zu missende Erfahrung für jeden Juristen.

II. Warum Clifford Chance?

Ehrlich können wir sagen, dass wir uns bei Clifford Chance wie in einer Familie aufgenommen gefühlt haben. Auch andere Großkanzleien kümmern sich einfühlsam um ihre Praktikanten, aber bei Clifford Chance ist das Arbeitsklima ein ganz besonderes. Im Frankfurter Büro sind etwa 250 Anwälte tätig, doch ermöglichen die “open door policy“ und die projektbezogene Arbeitsaufteilung eine sehr persönliche Zusammenarbeit. Diese wiederum führt schnell zu engen Kontakten und lehrreichen Erfahrungen. Schon nach wenigen Tagen waren wir voll integriert und konnten selbst spannende Aufgaben übernehmen. Verstärkt wird das noch durch die Schwerpunktbereiche nach der Studienreform. Mit dem nötigen Spezialwissen ist man frei in der Wahl auch einer exotischen Abteilung, wie Marken- oder Patentrecht. So profitiert man für das Studium und kann sich zugleich im jeweiligen Interessengebiet ausleben.
Besonders für Referendare attraktiv, aber auch Studenten zugänglich, ist das hervorragende Angebot der Referendar Academy, in der dann geballt Juraanwendung gepaukt wird; Kuchen und Getränke inklusive.  

 

III. Tagesablauf

Der Arbeitstag beginnt nicht vor neun Uhr. Das solltet Ihr Euch gleich für den ersten Tag merken. Dann geht es langsam los mit der schönen Büroorganisation, das heißt E-Mails beantworten, Kaffee trinken, und den Tag planen. Spätestens nach dem Mittagessen wird es dann aber hektisch. Wir können hier nur für die transaktionsbezogenen Abteilungen wie M&A und Capital Markets, aber auch für den gesamten „Corporate“-Bereich sprechen, jedoch mag es auch anderswo ähnlich sein. Das Leben begann ab eins, und dauerte dann auch bis in den späten Abend. Dabei war es aber immer so interessant, dass man freiwillig gerne blieb. So ist es kein Grund zu Mitleid, wenn in Ausnahmefällen auch mal in einer Samstagnacht um vier noch eine E-Mail aus dem Büro kommt. Die Arbeit ist schon für Praktikanten äußerst vielseitig und auf einem hohen juristischen Niveau. Zu den Aufgaben gehörten die Mitarbeit an einer Kommentierung, Übersetzungen, das Erstellen von Memoranden zu Fällen, und wenn man Glück hat auch schon der erste Kontakt zum Mandanten. Trotzdem bleibt gelegentlich Zeit für einen Gang zu Gericht, eigene Recherchen, eine Erkundung der Uni Frankfurt oder ein höchst offizielles Geschäftsessen.

 

IV. Social events

Besonders zu loben bleiben schließlich die Social Events. Die Kanzlei bemüht sich, den Praktikanten ein hochwertiges und reizvolles Rahmenprogramm zu bieten. Dies sind nicht nur Stammtische für den small talk, sondern gerade auch gemeinsame Museumsbesuche, Sommerfeste und anderes Abendprogramm. Wer das Nachtleben der Großstadt genießen will, findet auch immer unter den Praktikanten und Referendaren Gleichgesinnte.

 

V. Schlussfolgerung

Sowohl wer sich ganz sicher ist als Spitzenanwalt zu enden wie auch die anderen, die noch ein Leben behalten wollen, sollten frühzeitig die Möglichkeit nutzen sich diesen Karriereweg einmal anzuschauen. Ihr werdet überrascht sein wie sehr Eure Vorstellungen von der Realität divergieren. Dies gilt sowohl im positiven wie auch im negativen Maße. Uns jedenfalls hat es gefallen und wir haben ein Ziel für unsere Zukunft gefunden. Nicht außer Acht zu lassen bleibt abschließend die Tatsache, dass zweimal Zweistellig und fließende Englischkenntnisse die Einstellungsvoraussetzungen sind. Doch dafür eröffnen sich auch unvorstellbare Möglichkeiten.