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Praktikum im Europäischen Parlament, Straßburgvon Dominik Meyenburg, Universität Freiburg
I. AufbruchDie Idee „Europaparlament - live“ entstand in meiner Zeit als Student an der Universität Konstanz. Mein Interesse an europäischer und internationaler Politik, an anderen Ländern, insbesondere deren Sprache und Kultur, wurde durch mein Jurastudium verstärkt. Angeregt durch den Besuch des Europaparlaments, fasste ich den Entschluss, mich für ein einjähriges Praktikum bei Frau Mechtild Rothe (Mitglied des Europäischen Parlaments) in Straßburg zu bewerben. Durch den Umstand, dass nur einmal im Monat eine Sitzungswoche in Straßburg stattfindet (in der restlichen Zeit sind die Abgeordneten in Brüssel bzw. in ihrem Wahlkreis tätig), würde mir so genügend Zeit verbleiben, mein Studium im Rahmen eines Erasmus-Jahres an der „Université Robert Schuman“ fortzusetzen… . Nach einem persönlichen Gespräch in ihrem Wahlkreis in Ostwestfalen ermöglichte mir Frau Rothe, für die Zeit vom 1. September 2004 bis zum 31. Juli 2005 ein Praktikum in ihrem Abgeordnetenbüro in Straßburg zu absolvieren.
II. Im ParlamentIm Juni 2004 erlebte ich „meine“ erste Sitzungswoche, in der ich durch meine Vorgängerin (Jurastudentin) in die Tätigkeiten im Büro eingearbeitet wurde. Dabei ging es vor allem darum, die Organisationsstruktur im Büro kennen zu lernen (Mappen-/Ordnersysteme,…) und eine erste Orientierung im Gebäude zu erlangen. So lernte ich die wichtigsten Dienstellen für den täglichen Arbeitsablauf (zur Besorgung von Gesetzesentwürfen, Berichten, Tagesordnungen,…) und die Wege für Gruppenführungen kennen. Das Gebäude an sich beeindruckt mit seiner vielfältigen Symbolik. So wird im Inneren des Gebäudes beispielsweise das Zusammenwachsen Europas durch Brücken über einen imaginären Fluss dargestellt. Die gläserne Außenfassade verkörpert die Transparenz, mit der europäische Politik betrieben werden soll. Ganz besonders hervorzuheben ist die architektonische Kunst, die eher praktisch gestalteten Arbeitsbereiche der Parlamentarier mit den repräsentativen Bereichen zu vereinen. Letztgenannte sind v. a. für den europäischen Bürger gestaltet, welcher sich in den zahlreichen Besuchergruppen wieder findet. Außerdem war ich von der offenen und freundlichen Art der Abgeordneten und Angestellten positiv überrascht. Bei allem Trubel und aller Hektik, die der Arbeitsalltag mit sich bringt war der weit überwiegende Teil der „Parlamentsgesellschaft“ immer freundlich, hilfsbereit und unterhaltsam. Nachdem ich die ersten Hürden überwunden hatte, war es an der Zeit meinen Arbeitsalltag kennen zu lernen. Da der Assistent von Frau Rothe in den Sitzungswochen in Brüssel blieb, war ich für das Büro in Straßburg allein verantwortlich. Demzufolge musste ich mich immer wieder in den laufenden Arbeitsprozess einarbeiten, insbesondere in die Ausschussarbeit von Frau Rothe. Nur so war es möglich, meinen Aufgaben, zu denen vor allem die Terminkoordinierung, organisatorische Arbeiten sowie die Betreuung von Besuchergruppen gehörte, gerecht zu werden. Besonders interessant fand ich, an verschiedenen Ausschusssitzungen, an Sitzungen der Sozialdemokratische Fraktion im Europäischen Parlament (PSE) und der deutschen Abgeordneten im Europäischen Parlament (SPD-Gruppe) teilzunehmen. So konnte ich nicht nur die Arbeitsweise des Parlaments kennen lernen, sondern auch die Beratungen zu spannenden Fragen der aktuellen Entwicklung Europas verfolgen. Insbesondere die Zusammenarbeit mit Frau Rothe (MdEP) hat mir immer sehr viel Spaß gemacht. Obwohl sie, durch ihren überfüllten Terminplan, ständig im Stress war, entwickelte sich ein vertrauensvolles Verhältnis in angenehmer Arbeitsatmosphäre. Durch ihre Ausschussarbeit wurde ich immer wieder mit verschiedenen Themenbereichen u. a. der Industrie-, Forschungs-, Energie- und Außenpolitik der EU konfrontiert, was mir nicht nur erste vertiefte Einblicke in diese Politikbereiche ermöglichte, sondern auch mein Interesse an diesen förderte.
III. Straßburg: Europastadt, Studium, Freizeit…An der „Université Robert Schuman“ bekam ich in diesem „Straßburg-Jahr“ Einblicke in das europäische Recht und absolvierte dort erfolgreich das Zertifikat „Notions Fondamentales de Droit International, Européen et Comparé“, erwarb damit die Grundkenntnisse im Völkerrecht, im Europarecht und in der Rechtsvergleichung. Dies wurde durch mein Praktikum optimal ergänzt. Natürlich stand nicht nur die Arbeit im Mittelpunkt meines Aufenthaltes. Im Gegenteil - gerade die Freundschaften und Bekanntschaften von Erasmus-Studenten, Assistenten und Abgeordneten im Europäischen Parlament - machten den Aufenthalt in Straßburg zu einem unvergesslichen Jahr. Das Stadtbild erhält durch die Geschäftstätigkeiten von Europäischem Parlament, Europarat sowie dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein eigenes europäisches Flair. Dadurch erklärt sich auch das vielfältige Angebot an Kultur- und Sportevents sowie der Bar- und Kneipenlandschaft. Im Sommer findet man vor allem im Stadtpark, direkt neben dem Europaratsgebäude – und damit auch nicht weit vom Parlamentsgebäude – und am See mit dem typischen französischen Namen („Baggersee“) sehr lohnende Orte der Entspannung.
IV. FazitAlles in allem war dieses Auslandsjahr für mich persönlich ein großer Gewinn. Durch die Verbindung von Studium und Praktikum sowie die vielfältigen Kontakte und Freundschaften zu Studenten aus vielen verschiedenen Ländern hat sich meine positive Grundeinstellung zum Zusammenwachsen Europas sowie zur Völkerverständigung weiter vertieft und verfestigt. Ich empfehle allen, die sich für ein solches Praktikum oder für ein Auslandsjahr interessieren, ein solches Vorhaben in die Tat umzusetzen. Sicher ist es nicht ganz leicht einen Praktikumsplatz zu bekommen. Vielleicht noch ein kleiner Tipp dazu: Bewerbt euch einfach direkt bei den Abgeordneten. Dann habt ihr sicherlich mehr Chancen als bei zentralen Stellen. Ich wünsche allen, die sich zum Praktikum entschließen eine ebenso schöne Zeit wie ich sie hatte mit vielen positiven Erfahrungen. |
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