Buchrezension zu Studienkommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch von Kropholler

von stud. jur. Sonja Bühler

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Eine Frage, die sich mir und bestimmt auch vielen anderen Studierenden stellt, ist: Was hat es mit einem Studienkommentar auf sich und welchen Mehrwert hat er? Denn weder ist der Studienkommentar ein Lehrbuch noch ein klassischer Kommentar. Auch aufgrund dieser Einordnungsschwierigkeit ist liegt es für den Studierenden nicht sofort auf der Hand, sich einen Studienkommentar zuzulegen; Vorrang hat immer noch das klassische Lehrbuch.

Nach dem Selbstverständnis des BGB Studienkommentares Kropholler, das dem Vorwort der aktuellen Ausgabe entnommen ist, soll der Studienkommentar nicht als Nachschlagewerk dienen, sondern „durchgearbeitet“ werden. Daraus lässt sich ableiten, dass er eine Zwitterstellung zwischen Kommentar und Lehrbuch für sich in Anspruch nimmt.

Das mittlerweile in 14. Auflage erschienene, 937 Seiten füllende Werk wurde von Prof. Dr. Jan Kropholler begründet und wird jetzt von Prof. Dr. Florian Jacoby und Dr. Michael von Hinden weitergeführt. Gegliedert ist der Kommentar in die 5 Bücher des BGB, welche wiederum in Abschnitte und Titel unterteilt sind.

Wie für einen Kommentar typisch wird die jeweilige Norm systematisch „Satz für Satz“ durchgegangen, es werden wichtige Probleme und Auslegungsfragen erläutert und umstrittene oder unklare Begriffe erklärt. Für den Studierenden ist besonders erfreulich, dass prüfungsrelevante Aufbauhinweise wie bspw. zur Anfechtung gegeben werden.

Zudem gibt der Studienkommentar durch eine sog. „Einführung“ vor jedem neuen Abschnitt einen Überblick über die jeweilige Thematik, was die anschließende Lektüre deutlich erleichtert.

Beispielsweise wird der Begriff der Willenserklärung vor § 116 definiert, der objektive und subjektive Tatbestand der Willenserklärung sowie die rechtliche Bedeutung des Schweigens erläutert. Hervorzuheben ist auch die ausführliche Einführung vor den §§ 249-253, die inhaltlich einem Schuldrechtslehrbuch nicht nachsteht sowie gut verständlich und zielführend formuliert ist. Insbesondere die Vorbemerkungen sind als gelungene Schnittmengen zwischen Lehrbuch und Kommentar zu sehen.

Wie in Kommentaren üblich findet man reichliche Verweisungen auf wichtige und vor allem auch aktuelle Gerichtsentscheidungen. Auffallend ist die gute „Vorsortierung“ durch die Herausgeber, die die klassischen und auch richtungsweisenden Entscheidungen nennen. Zahlreich werden auch Verweise zu Aufsätzen oder anderen Lehrbüchern angegeben. Dadurch werden Lücken in den Ausführungen geschlossen, die notwendigerweise mit der Kürze des Buches einhergehen.  Positiv ist zu vermerken, dass der Studierende beim Arbeiten mit dem Kommentar dazu angehalten ist, den abgedruckten Gesetzestext zu lesen. Anders als bei einem Lehrbuch kann daher die Lektüre des Gesetzes nicht zu kurz kommen und es wird verhindert, dass vollkommen abstrakt vom Gesetzestext gelernt wird.

Die Ausdrucksweise des Kommentars orientiert sich offensichtlich am Studierenden und am Praktiker als Leser und ist klar und leicht verständlich. Komplizierte oder verwirrende Satzstrukturen findet man hier nicht.

 

Auch ist das neue Gesetz zur Umsetzung der Verbraucherrechterichtlinie, das seit dem 13. Juni 2014 auch zu Änderungen im BGB geführt hat, bereits im Anhang enthalten und ebenfalls kommentiert. Dadurch hat die 14. Auflage von 2013 bis jetzt ihre Aktualität bewahrt.

Bei all der positiven Kritik ist anzumerken, dass es zwar durch die prägnante und kurze Kommentierung möglich ist, sich schnell einen Überblick zu verschaffen. Dies bedeutet aber auf der anderen Seite, dass es gerade bei einer für den Leser noch unbekannten Thematik hin und wieder schwierig ist, die knappen Ausführungen nachvollziehen zu können. Insbesondere für Anfänger ist es mitunter schwierig, die Gewichtigkeit einer Problematik richtig einzuordnen. Ferner fehlt es dem Studienkommentar für die Anfertigung von Hausarbeiten an einigen Stellen an der notwendigen Tiefe. So ist etwa die Frage vom Verhältnis von Culpa in Contrahendo  und Sachmängelgewährleistungsrecht in nur einem Satz abgehandelt, nämlich dass ein Alternativverhältnis bestünde (§ 311 a RN 4). Würde man sich hier auf den Studienkommentar verlassen, hätte man in der Hausarbeit einen wichtigen Streit übersehen! Auch wenn der Studienkommentar bei den genannten Vorteilen als weitere Lektüren empfehlenswert ist, ist daher die ergänzende Lektüre eines Lehrbuches unersetzlich.

Als persönliches Fazit kann ich festhalten, dass die Lektüre eines Kommentares von vorne bis hinten, wozu sich wohl kaum ein Student begeistern kann, für das allgemeine Rechtsverständnis des BGB und dessen Systematik sehr zu empfehlen ist. Dies fällt mit dem Studienkommentar vergleichsweise leicht, da dies in einem noch begrenzten Zeitrahmen möglich ist.