Bookboon.com und campushelfer: Who´s that?

Julia Kurth*

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Kopenhagen und Freiburg i.Br. – was haben diese Universitätsstädte gemeinsam? Ganz einfach: Zwei junge Startups, die die Welt eines Jurastudenten mit ihren Konzepten bereichern können. Freilaw hat sie kennengelernt.

Freilaw: Was war Ihre Gründungsmotivation und welche Ziele verfolgen Sie jeweils?

Bookboon.com:

Bookboon.com wurde im Jahr 1988 in Dänemark unter dem Namen Ventus Verlag gegründet und war von Anbeginn auf Bücher im Bildungsbereich spezialisiert. Im Jahr 2005 verwandelte sich das Unternehmen in einen eBook Verlag und wurde zum weltweit größten Online Buchverlag, der kostenlose Lehrbücher für Studenten anbietet.

Die Idee für Bookboon.com entstand während des Studiums der beiden Gründer und Brüder Kristian und Thomas Buus Madsen. Da die Standardwerke in der Bibliothek ständig ausgeliehen waren, zogen Studienkollegen Kopien der Bücher und verkauften diese vor dem Lehrsaal. Die Gründer suchten deshalb ein Konzept, das dem Lehrbuchbedarf der Studenten gerecht und gleichwohl in der Welt des modernen Verlagswesens blühen sollte.

Mit dem Ziel, so vielen Studenten wie möglich kostenlose Bildungsliteratur zur Verfügung zu stellen, ist Bookboon.com weltweit, darunter in Entwicklungsländern wie Indien und Nigeria, aktiv und bietet eine Auswahl an über 900 Lehrbüchern für Studenten in sieben Sprachen an.

campushelfer:

Campushelfer soll eine Möglichkeit schaffen, die es so an den Universitäten noch nicht gab, die aber von vielen Studierenden dringend benötigt wird: Individuelle Betreuung bei der Erarbeitung konkreter Probleme und beim Erlernen der richtigen Klausurtechnik im Jurastudium.

Während die Idee für campushelfer entstand, waren wir (die Gründer) akademische Mitarbeiter an der Universität Freiburg. Im Rahmen der von uns geleiteten AGs sind wir wiederholt von Studierenden auch nach den Veranstaltungen gefragt worden, wie man bestimmte Klausurprobleme angehen soll. Andere wollten wissen, wer einem bei der Erarbeitung derselben helfen könne, wenn man die Lehrbücher nicht versteht oder trotz großen Lernaufwandes und viel vorhandenen Wissens in Klausuren nicht zufriedenstellend abschneidet. Da haben wir bemerkt, dass es ein Bedürfnis nach individuell zugeschnittener Betreuung gibt, die in der gewünschten Weise von der Uni nicht abgedeckt wird und in dieser individuellen Form natürlich auch nicht abgedeckt werden kann. Hier wollen wir jedem Studierenden die Möglichkeit geben, individuell abgestimmte Erklärungsansätze zu erhalten und so das Bildungsangebot abrunden.

Freilaw: Wie setzen Sie Ihre Idee um bzw. wie funktioniert Ihr System?

campushelfer:

Unsere Idee der bestmöglichen individuellen Betreuung basiert natürlich auf einem Höchstmaß an Qualität im Hinblick auf die Dozenten. Im Rahmen unseres Auswahlprozesses spielen neben der fachlichen Eignung deshalb auch die didaktischen Fähigkeiten des Dozenten eine große Rolle. Gleichzeitig haben wir an jedem unserer Standorte einen lokalen Koordinator, der aus unserem Dozentenpool den Dozenten aussucht, der am besten zum jeweiligen Studierenden passt.

In der Praxis läuft das Ganze dann folgendermaßen ab: Nachdem wir eine Anfrage erhalten und erste Informationen mit dem Studierenden ausgetauscht haben, wird dieser von unserem lokalen Koordinator am zuständigen Standort kontaktiert. Dieser ermittelt in einem persönlichen Gespräch mit dem Studierenden, welcher unserer Dozenten am besten zu den jeweiligen Bedürfnissen passt. Im Anschluss an dieses Gespräch lernt der Studierende seinen Dozenten kennen und vereinbart mit diesem den genauen Ablauf der angefragten Stunden. Da mischen wir uns auch nicht mehr ein, sondern Vertrauen auf die Erfahrung unserer Dozenten.

Bookboon.com:

Wir finanzieren unsere Lehrbücher durch Employer Branding Werbeanzeigen. Dabei haben wir ein Limit von 15% Werbung pro Buch. Auf diese Weise werben Unternehmen Hochschulabsolventen an. Mit anderen Worten bezahlen die zukünftigen Arbeitgeber die Lehrbücher.

Die Bücher sind im PDF-Format lesbar und sehr leicht herunterzuladen. Dazu braucht der/die Leser/in kein Konto zu eröffnen.

Freilaw: Inwiefern können Jurastudierende von Ihnen und Ihren Dienstleistungen profitieren?

Bookboon.com:

Auf Bookboon.com gibt es auch Lehrbücher für Studenten der Rechtswissenschaft, wie z.B. „Grundlagen des Wirtschaftsprivatrechts“ oder „Grundzüge des Handelsrechts“. Darüber hinaus verfügen wir über sehr viele fort- und weiterbildende Bücher, die beispielsweise erklären, wie man Excel benutzt oder sich auf ein Vorstellungsgespräch vorbereitet.

campushelfer:

Die Chancen für Jurastudierende, die sich uns anvertrauen, liegen vor allem in der Individualität unserer Betreuung und der Erfahrung unserer Dozenten. Im Gegensatz zu den üblichen Repetitorien gibt es bei uns keinen Stoff, der durchgenommen werden muss. Stattdessen holen wir jeden Studierenden genau dort ab, wo er sich momentan befindet und behandeln dann nur die Punkte, die den Nachhilfeschüler in seiner konkreten Situation weiterbringen. Bekanntes und Beherrschtes zu wiederholen ist zwar angenehm und beruhigend, aber häufig wenig zielführend. Zugleich bleiben wir nicht bei den hergebrachten Erklärungsansätzen aus Skripten und Lehrbüchern, sondern suchen so lange nach dem richtigen Weg, einen Sachverhalt zu erklären, bis der jeweilige Student die Lösung nicht nur gehört, sondern auch verstanden hat. Unser primäres Ziel besteht dabei stets darin, den Studierenden wieder zum eigenständigen Lernen zu verhelfen, so dass er in Zukunft sein Studium mit Spaß auch ohne unsere Hilfe meistern kann. Im Idealfall machen wir uns also selbst überflüssig.

 

*Die Autorin studiert Rechtswissenschaften im sechsten Semester an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.